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Imkerverein Roßhaupten

gegr. 1902

 

Pflege der Webseite: Konrad Schmid, Roßhaupten

Kontakt: konrad@imker-rosshaupten.de

Der Imkerverein Roßhaupten besteht zum 1. April 2017 aus 15 aktiven Imkerinnen und Imkern.

Darüber hinaus beteiligen sich 3 weitere Imker an unserer Vereinsarbeit, die entweder bei anderen Vereinen gemeldet sind oder einfach auf Ständen von Vereinsmitgliedern mitarbeiten. Diese 15 aktiven Imker betreuen zum heutigen Stand ca. 110 Bienenvölker auf unserer Flur.

 

Zum Hintergrund unseres Vereines fügen wir einfach die Chronik zum 100-jährigen Bestehen unserer Gemeinschaft hier an:

 

Chronik des Imkervereins Roßhaupten zur 100-Jahr-Feier am 21. Juli 2002:

 

Im Jahre 1902 fanden sich in Roßhaupten die Herren Andreas Prestele, Leonhard Angerer, Franz Bayrhof, Peter Steiner und Josef Bauer zusammen, um den Bienenzucht- und Obstbauverein zu gründen.

 

Zum ersten Vereinsvorstand wählten die Gründungsmitglieder Andreas Prestele. Er wirkte zu Beginn des Jahrhunderts in einer Zeit, in der die Umstellung der Imkerei auch in unserer Gegend von der Korb- zur Kastenbeute erfolgte.

 

Leider gingen in den Kriegswirren des 1. und 2. Weltkrieges alle Aufzeichnungen der frühen Vereinsgeschichte verloren, sodass zur Feier des 70. Bestehens des Vereins im Jahre 1972 die Vereinsgeschichte neu dokumentiert wurde. Die damals ältesten noch lebenden Vereinsmitglieder konnten viel erzählen bzw. wussten noch von ihren Vätern, die als Gründungsmitglieder oder später dem Verein beitraten, die Anfangsjahre zu beschreiben.

 

Allen Beschreibungen war zu entnehmen, dass die Imker ein stetiges Auf und Ab in ihrem Bemühen um die Bienen erleben mussten. Von vielen schweren Jahren war die Rede, in denen die Nosemaseuche ihren Tribut forderte und von manch magerem Honigjahr. Doch war auch die Rede von vielen guten Honigjahren, die gottlob mehr in Erinnerung blieben als die erfolglosen Zeiten.

 

Voll Freude berichteten einige Imker von Zeiten, als das Vereinsleben blühte und der Honig reichlich floss. Aber auch von Ausstellungen in Füssen und Augsburg, bei denen die Mitglieder Ignaz Kümmerle, Leonhard Angerer und Matthäus Angerer hohe Auszeichnungen für die Herstellung von Bienenzuchtgeräten erreichten. So ist auch die Urkunde, mit der Herr Ignaz Kümmerle am 05. Oktober 1912 für seine Herstellung von Bienengeräten ausgezeichnet wurde, das älteste verbliebene Vereinsdokument.

 

In den Jahren vor dem 1.Weltkrieg gab Andreas Prestele sein Amt als Vorsitzender des Vereins an den Forstverwalter Josef Bauer ab. In den folgenden Jahren prägten hauptsächlich Leonhard und Matthäus Angerer die Bienenhaltung in Roßhaupten. Sie bemühten sich erfolgreich um Nachwuchs und erreichten, wie schon erwähnt, hohe Aus-zeichnungen für die Herstellung von Bienengeräten.

 

Josef Bauer wurde nach seiner Erkrankung im Jahre 1928 von Alois Guggemos abgelöst.

 

Im Jahre 1935 übernahm der erste und bis dato einzige Berufsimker in Roßhaupten Xaver Wagner das Ruder des Vereins. Er betreute damals schon über 200 Bienenvölker.

 

1936 wurde durch staatliche Anordnung im sogenannten Reichsnährstand – eine Einrichtung des Dritten Reiches – der Verein in einen Imkerverein und einen Gartenbau-verein getrennt. Seitdem bestehen diese beiden örtlichen Vereine in gutem Einvernehmen nebeneinander.

 

Nachfolger von Xaver Wagner wurde im Jahre 1940 der hochgeschätzte Geistl. Rat August Schellmann. Bis zu seiner Pensionierung und seinem Wegzug nach Krumbach förderte er fast drei Jahrzehnte lang in unserem Ort die Belange der Bienenhaltung und Bienenzucht.

Er bemühte sich vor allem und erfolgreich um den Imkernachwuchs.

Ihm gelang es, dass gerade in den letzten Kriegsjahren und den ersten Nachkriegsjahren der Imkerverein zu einer nie mehr erreichten Blüte aufstieg. Fast 50 aktive Imker mit annähernd 500 Bienenvölkern gab es in den von Mangel geprägten Jahren. Bestimmt haben zu dieser Zeit die Imker viel dazu beitragen können, die Ernährungssituation in unserem Dorf und ihrer Angehörigen an der Front zu verbessern.

 

Nachdem die Zeit der knappen Nahrungsmittel überstanden war, fielen auch umwälzende Neuerungen in der Bienenzucht in die Zeit der Vorstandschaft von Hrn. Geistl. Rat August Schellmann. Die Vermehrung der Bienenvölker durch Schwärme wurde allmählich aufgegeben. An ihre Stelle trat mehr und mehr eine neue Betriebsweise: Schwarmverhinderung zur Ertragssteigerung und gezielte Vermehrung der Bienenvölker durch Ablegerbildung und Auslesezucht von Bienenköniginnen.

Mehr und mehr wurde auch die heimische, stark verkreuzte Biene durch die eingeführte und gezielt nachgezüchtete Carnica-Biene ersetzt. Heute noch halten die Imker fast ausschließlich diese Bienenrasse, die ursprünglich aus dem Gebiet Kärnten-Krain stammt.

 

Im Bemühen um eine sanftmütige, schwarmträge und leistungsfähige Biene tat sich im Altlandkreis Füssen vor allem Hr. Alfred Huber aus unserem Ort hervor. Er hielt mehrere Königinnenzuchtkurse ab und trug mit seinem Einsatz wesentlich dazu bei, auf der Bleckenau bei Hohenschwangau eine Reinzuchtbelegstelle einzurichten. Auch gab seine Zuchtarbeit dieser Belegstelle den nötigen Anschub und viele Imker wurden von ihm mit Zuchtmaterial versorgt.

 

Ungezählte Carnica-Reinzuchtköniginnen mit hervorragenden Erbeigenschaften sind seither in die Bienenvölker des Altlandkreises Füssen eingewaiselt worden. Sie brachten uns wesentlich leistungsfähigere und schwarmträge Bienenvölker, die auch aufgrund ihres ruhigen Verhaltens die Arbeit am Bienenstand leichter und angenehmer machten.

Gerade in unserer Zeit, in der eine aggressive Biene von den Grundstücksnachbarn kaum noch toleriert würde, wissen wir diesen Umstand erst richtig zu schätzen.

 

Was lag näher, als dass nach dem Wegzug von Geistl. Rat Schellmann im Jahre 1969 Alfred Huber zum Vorsitzenden im Imkerverein Roßhaupten gewählt wurde. Noch im gleichen Jahr übernahm Hr. Huber dann auch noch den zweiten Vorsitz im Kreisverband Imker Füssen und so war der Imkerverein Roßhaupten auch im damaligen Landkreis Füssen an vorderer Stelle vertreten.

 

Gleich in die ersten Jahre der Vorstandstätigkeit von Alfred Huber fiel am 12. und 13. August 1972 die Feier zum 70. Gründungsjubiläum des Vereins.

Die Feier begann am Vorabend mit einem Fachvortrag des Fachberaters für Bienenzucht Josef Herold mit Filmvorführung im Gasthaus Schwägele in Roßhaupten. Beim gemeinsamen Abendessen und Beisammensein umrahmte die Volksmusikgruppe Roßhaupten.

Am Sonntag, den 13. August zelebrierte der frühere Vorstand H. H. Geistl. Rat Schellmann den Festgottesdienst. Die musikalische Gestaltung übernahm der Senkelechor. Nach dem Gottesdienst folgte ein gemeinsamer Frühschoppen mit Lichtbildervortrag.

In der Festversammlung am Nachmittag wurden verdiente Mitglieder geehrt. Fachberater Josef Herold hielt einen interessanten Vortrag über zeitgemäße Bienenzucht.

Eine Bienen-, Honig- und Wachsaustellung sowie ein Losverkauf, bei dem Honig und Bienenwachskerzen zu gewinnen waren, rundeten das Fest ab.

Leider war dieses Fest durch den Großbrand des Anwesens Markus Linder überschattet, das am Samstag den 12. August durch Blitzschlag in Brand geriet. Der Brand und die Aufräumarbeiten brachten doch etwas Unruhe ins Dorf und manchem war vielleicht auch nicht ganz so nach Feiern zumute.

 

In den 70er Jahren veränderte sich das Umfeld in der Imkerei jedoch in einem Ausmaß wie nie zuvor. Nach der Auflösung der dörflichen Molkerei Ende der 60er Jahre und mit zunehmender Mechanisierung in der Landwirtschaft wurde die Futterernte mehr und mehr auf Grassilage umgestellt. Hatte sich früher die Heuernte teilweise über mehrere Wochen hingezogen, so wurden nun große Flächen innerhalb weniger Tage abgeerntet. Auch verschwanden in dieser Zeit die letzten einmähdigen Wiesen. Diese wurden entweder auf Weidebetrieb oder aber auf mehrmähdig umgestellt. Für die Bienen bedeutete dies, dass nicht mehr von Frühjahr bis zum Spätsommer ein durchgehendes Trachtangebot vorliegt, sondern dass wenige Perioden mit voller Blütenpracht sich mit mageren Trachtperioden abwechseln.

Auch entstanden in Deutschland die großen Ladenketten. Durch massiven Import von Honig aus aller Welt kam viel Honig zu sehr niedrigen Preisen in die Regale des Einzelhandels und die Imker mussten sich in der Vermarktung ihres Honigs dieser neuen Situation stellen.

Weiter wurde auch Mitte der 70er bei wissenschaftlichen Experimenten in Hessen ein Parasit aus Südostasien – die Varroamilbe – eingeschleppt. Alle Versuche diesen Parasiten auszurotten oder die weitere Verbreitung zu verhindern scheiterten und so mussten die Imker zusehen, wie diese Parasitenerkrankung der Bienenvölker immer näher an unser Gebiet heranrückte.

 

In den Jahren 1983 und 1984 war nun abzusehen, dass unsere Bienenvölker auch mit der Varroatose in Berührung kommen würden und so mussten die Imker mit dem Umgang dieser neuen Situation vertraut gemacht werden. Dazu wurde 1984 eine neue Einrichtung – der Gesundheitswart – in der Vorstandschaft eingerichtet.

 

1999 gab Hr. Alfred Huber den Vorsitz des Vereins nach 29 Jahren aus Altersgründen ab.

Er wurde abgelöst durch Konrad Schmid.

 

Im Jahre 2001 erkrankte der Kassier Josef Walk und musste sein Amt zur Verfügung stellen. Er hatte bis dahin dieses Amt seit 1960, also 41 Jahre inne und war damit in der langen Vereinsgeschichte eine wesentliche und zuverlässige Stütze.

 

Im Jahr 2002 zum 100-jährigen Bestehen nun sind im Imkerverein Roßhaupten 17 aktive Imker und 1 passives Vereinsmitglied organisiert. Diese Imker betreuen derzeit 167 Bienenvölker. Der Besuch der Vereinsversammlungen ist ausgesprochen gut und es herrscht ein gutes Verhältnis untereinander. Der Meinungsaustausch untereinander nimmt breiten Raum ein und es kommt zu regen Diskussionen. Sorge bereitet aber der hohe Altersdurchschnitt der Mitglieder von 66,5 Jahren. Das Ziel des Vereins muss daher in Zukunft auch wieder die Nachwuchsförderung sein.

 

Im Juni 2002

K. Schmid